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2. Platz beim Zeitfahren in Plauen 

Sebastian berichtet vom Sächsischen Polizeicup im Rahmen des 43. Vogtlandcups

Am Wochenende des 3./4. Juli war es wieder so weit. Die hessische Polizeiauswahlmannschaft machte sich, samt mir, geschlossen auf den Weg nach Plauen, um dort am Sächsischen Polizeicup teilzunehmen. Der Cup ist sozusagen die inoffizielle deutsche Polizeimeisterschaft, weil eine offizielle Meisterschaft im Straßenradsport nicht ausgetragen wird.

Die Strecke in Coschütz im Vierländereck Sachsen/ Thüringen/ Bayern/ Böhmen ist ein selektiver Kurs, der auf 7,1 Kilometern pro Runde 110 Höhenmeter aufweist. Das Ziel jeder Runde befindet sich am Ende einer ca. 500 Meter langen Schlusssteigung, deren erste Hälfte zwischen 12 und 15 Prozent Steigung aufweist und dann etwas flacher wird.

Für das Zeitfahren am Samstag galt es 2 Runden auf der Strecke zu bewältigen, im Straßenrennen musste die Runde 9 Mal befahren werden.

Ich habe mich penibel auf das Rennen vorbereitet und mir sehr hohe Ziele gesteckt, obwohl man natürlich nie weiß, wer bei diesen Polizeiveranstaltungen am Start steht. (Tony Martin ist z. B. auch Polizeibeamter und wäre dort theoretisch startberechtigt)

Das Zeitfahren war begleitet von 36 Grad Außentemperatur und strahlendem Sonnenschein. Ich fühlte mich topfit und war auch ziemlich schnell unterwegs. Trotz des nicht unbedingt auf mich zugeschnittenen Streckenprofils beendete ich die beiden Runden in einer Zeit von 21:24 Minuten. Das war 17 Sekunden schneller als die Bestzeit aus dem Vorjahr und bedeutete einen knappen 40er Schnitt, trotz der vielen Höhenmeter.

So träumte ich doch bis zur Ergebnisverkündung vom Sieg. Meine Träume platzten, als ich feststellen musste, dass der Fahrer im Nutrixxion- Outfit, den ich beim Warmfahren ausgemacht habe, nicht etwa dem 4-Fun- Team, sondern aktuell dem Nutrixxion- Kontinental- Team angehört. So gewann der KT- Fahrer Erik Mohs (Sachsen), der international Rennen wie die Türkei- und Murcia- Rundfahrt bestritten hat, das Zeitfahren in einer Zeit von 20:38 Minuten. Für mich blieb Platz 2, allerdings 25 Sekunden vor dem letztjährigen KT- Fahrer Karsten Heß (Thüringen), der für das Team Thüringer Energie bis 2009 an den Start gegangen ist.

Gefühlsmäßig war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite ist ein 2. Platz natürlich toll, aber auf der anderen Seite war ich stinksauer, dass mir ein Spitzensportler der sächsischen Polizei und Radprofi „meinen Sieg“ geklaut hat. Und das in einem für ihn absolut unbedeutenden Rennen.

Mit den Plätzen 2, 4 und 6 im Zeitfahren hatten wir Hessen fürs Straßenrennen am Sonntag mehrere Optionen. Unser bester Bergaufsprinter Hans Hutschenreuther war auf Platz 4 im Zeitfahren gelandet und war die Option für eine entscheidende Attacke am Berg. Ich hätte im Straßenrennen nur als Ausreißer eine Chance, wenn im 60köpfigen Feld gebummelt wird.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt….

Der Nutrixxion- Mann und einige Fahrer aus Thüringen machten direkt im Schlussanstieg der ersten Runde so viel Druck, dass sich 5 Mann absetzen konnten. Darunter war leider nur unser Hans. Ich war mit 3 Teamkollegen in der ersten Verfolgergruppe. 1 Teamkollege opferte sich dann auf, um uns wieder ein paar Meter ran zu fahren. Den Rest machten dann 1 weiterer Hesse, 1 Sachse und ich allein, bis wir wieder gegen Ende der 2. Runde an der Spitze dran waren. Diesem Zwischenspurt fielen sämtliche übrig gebliebenen Radler zum Opfer, die unsere Verfolgergruppe nicht halten konnten.

Bis 3 Runden vor Schluss fuhr ich dann mit 2 weiteren Hessen in der 8köpfigen Spitzengruppe in gutem und gleichmäßigem Tempo zusammen mit 2 Sachsen und 3 Thüringern. Das Tempo war ordentlich und die Gruppe lief, sodass wir unseren Vorsprung auf die Verfolger weiter ausbauen konnten. Im Schlussanstieg der 7. Runde griff der Nutrixxion- Mann aus Sachsen dann entscheidend an. Es konnten ihm nur 1 Thüringer und mein Teamkollege Hans folgen. Allerdings verpasste Hans knapp den Anschluss an das Spitzenduo.

Die erste Verfolgergruppe bestand dann aus 1 weiteren Sachsen, 1 hessischen Teamkollegen, dem Thüringer Karsten Heß und mir. Ein weiterer Thüringer konnte das Tempo nicht mehr halten. Um aufs Gesamt- Podium zu kommen musste ich also vor Karsten ankommen, da für die Gesamtwertung die niedrigste Summe der Einzelplatzierungen vom Zeitfahren und Straßenrennen zählte und nicht die Summe der Fahrzeiten.

Ich fühlte mich gut und hatte den Eindruck, dass die anderen 3 Fahrer meiner Gruppe nicht stärker am Berg waren. Der Eindruck täuschte, denn am Schlussanstieg der letzten Runde konnte ich dem Antritt von Karsten und meinen beiden anderen Mitstreitern nicht mehr folgen.

Schwer enttäuscht rollte ich dann als 7. über die Ziellinie, denn ich wusste, dass das Podium für die Gesamtwertung passé war und ich auf dem unglücklichen 4. Platz gelandet war.

Ein kleines Trostpflaster war dann noch der 2. Gesamtrang für meinen Teamkollegen Hans, der sich als Einzelkämpfer im Straßenrennen auf Platz 3 kämpfte und die Erfolge meiner weiblichen Teamkolleginnen und den Senioren 2 und 3 aus Hessen, die alle die Gesamtwertung ihrer Klassen für sich entscheiden konnten.

Aus Niederlagen lernt man ja bekanntlich. Man muss nicht unbedingt die absoluten Cracks im Straßenradsport bezwingen, aber um ein guter Klassement- Fahrer für Etappenrennen, auch bei den Jedermännern, zu werden, muss ich dennoch hart an meiner Berg- und Hügel- Performance arbeiten, damit die guten Zeitfahrleistungen in der Endabrechnung nicht für die Tonne sind.

In diesem Sinne….

Euer Sebastian